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Römische Gräber unter der Via Ostiense in Rom neu entdeckt

Archäologe dokumentiert bemaltes antikes Grabmal mit Vasen bei einer Ausgrabung neben einer Straße.
In diesem Artikel
  1. Römische Gräber unter einer antiken Straße
  2. Bilder von Tod und Erinnerung
  3. Im Inneren der Kolumbarien
  4. Trauer als gemeinschaftliches Ereignis
  5. Vom Monumentalen zum Bescheidenen
  6. Lebensgeschichten anhand von Überresten rekonstruieren
  7. Roms Bestattungskarte wird erweitert
  8. Das System der präventiven Archäologie
  9. Die Ausgrabung verspricht weitere Entdeckungen

Forschende haben unter einer heutigen Straße im Süden Roms eine bislang unbekannte Gruppe römischer Gräber entdeckt. Erhalten geblieben sind dort auch gemalte Verzierungen und symbolische Figuren.

Der Fund legt einen planvoll angelegten Grabkomplex frei, auf den später ein einfacher Friedhof folgte. Er zeigt damit, wie sich der Umgang mit dem Tod im Lauf der Zeit veränderte.

Römische Gräber unter einer antiken Straße

Unter der Via Ostiense, einer bedeutenden antiken Ausfallstraße Roms, kam knapp unter dem heutigen Straßenniveau eine dicht angeordnete Gruppe von Ziegelgräbern zum Vorschein.

Die Archäologin Diletta Menghinello von Roms Sonderaufsichtsbehörde für Archäologie, Kunst und Landschaft kartierte die Fundstelle. Sie dokumentierte mehrere aufeinander ausgerichtete Bauten, die eng um einen gemeinsamen zentralen Bereich gruppiert waren.

Diese Anordnung spricht dagegen, dass die Gräber einzeln entstanden: Sie dürften vielmehr Teil einer abgestimmten Planung gewesen sein, vermutlich für eine bestimmte Gemeinschaft oder Gruppe.

Weitere Bauwerke liegen noch teilweise unter der Erde. Wie weit sich der Grabkomplex erstreckt und wie er im Inneren organisiert war, müssen daher weitere Ausgrabungen klären.

Bilder von Tod und Erinnerung

An den Wänden der Kammern haben sich unter der Erde farbige Malereien erhalten: zu sehen sind gemalte Bänder, Pflanzenmotive und Stuckrahmen.

Die Figuren innerhalb dieser Rahmen verbanden den Tod mit Beständigkeit, Schutz und der Hoffnung auf einen Triumph darüber hinaus. Die erhaltenen Malereien wirken keineswegs zufällig: Ihre Bilder greifen Symbole auf, mit denen die Römer einen ehrenvollen Tod darstellten.

Da bislang nur Teile der einzelnen Räume freigelegt sind, liefern vor allem die Bilder deutliche Hinweise, während persönliche Zeugnisse noch fehlen.

Im Inneren der Kolumbarien

Erste Hinweise deuten darauf hin, dass es sich bei den Kammern um Kolumbarien handelte – Grabräume mit Wandnischen für Urnen aus Feuerbestattungen.

In der Nekropole an der Via Ostiense überwog zunächst die Einäscherung, bevor in den späteren Jahrhunderten der Kaiserzeit Körperbestattungen häufiger wurden.

„Die Ausgrabung der Gräber, die sich höchstwahrscheinlich als Kolumbarien identifizieren lassen, also als Räume mit Nischen zur Aufnahme von Aschenurnen, befindet sich noch in einer frühen Phase“, sagte Menghinello.

Sollten spätere Schichten eine gemischte Nutzung bestätigen, könnte dieser Abschnitt innerhalb eines einzigen kompakten Grabblocks einen bedeutenden Wandel der Bestattungspraxis dokumentieren.

Trauer als gemeinschaftliches Ereignis

In der Nähe der antiken Straße legte das Team außerdem eine Halle mit einem abgerundeten Ende und einen weiteren großen Ziegelraum mit Mosaikresten frei.

Möglicherweise dienten solche Räume für Totenmahle. Denn die Römer kamen häufig bei Gräbern zusammen, um zu essen, sich zu erinnern und ihre Bindungen zu erneuern.

Ältere Totenmahle an der Via Ostiense fanden auf Dachterrassen über ähnlichen Gräbern statt. Das zeigt, dass zum Gedenken sowohl die Architektur als auch das gemeinsame Essen gehören konnten.

Bis die Ausgrabung in größere Tiefen vorstößt, bleibt die Funktion dieser Räume eine Vermutung. Sie erweitern dennoch den Blick auf das gesellschaftliche Leben rund um den Friedhof.

Vom Monumentalen zum Bescheidenen

Hinter den verzierten Bauten kennzeichnet eine lange Mauer aus Tuffblöcken einen späteren Friedhof, der deutlich ärmer wirkte.

Dort gab es nur wenige Grabbeigaben, und einfache Erdgräber lagen dicht an dicht. Das weist auf eine intensive Nutzung durch Menschen mit geringeren Mitteln hin.

Nachdem die kaiserzeitlichen Gräber nicht mehr gepflegt oder ausgeräumt worden waren, verwendete eine weniger wohlhabende Gemeinschaft dasselbe Gelände erneut.

Auf einer einzigen Fläche hat sich so ein deutlicher sozialer Gegensatz erhalten, ganz ohne schriftliche Erklärung.

Lebensgeschichten anhand von Überresten rekonstruieren

Namen sind bisher nicht aufgetaucht. Inschriften, Knochen und kleine Gegenstände könnten jedoch noch aus den Bauwerken individuelle Lebensgeschichten werden lassen.

Knochen können Aufschluss über Alter, Verletzungen, Ernährung und Krankheiten geben, denn der Körper bewahrt Spuren der Belastungen des Alltags.

Für die mittleren und unteren Bevölkerungsschichten Roms sind solche Hinweise besonders wichtig, weil in den schriftlichen Überlieferungen Bestattungen der Oberschicht dominieren.

Eine umfassendere Ausgrabung könnte den Friedhof daher nicht nur für die Kunstgeschichte, sondern auch für die Erforschung des Lebens gewöhnlicher Römerinnen und Römer wertvoll machen.

Roms Bestattungskarte wird erweitert

Der Abschnitt ergänzt auch die Karte einer Begräbniszone, die sich über Jahrhunderte entlang der Straße von Rom zu seinem antiken Seehafen Ostia erstreckte.

Sichtbare Teile des nahe gelegenen Sepolcreto, eines erhaltenen Friedhofsabschnitts knapp südlich des römischen Zentrums, zeigen bereits, wie Feuerbestattungen im Lauf der Zeit von Körperbestattungen abgelöst wurden.

Die neu freigelegte Gräbergruppe liegt im Süden Roms nahe Sankt Paul vor den Mauern und kann dazu beitragen, die inneren Grenzen des Friedhofs zu bestimmen.

Das ist für das Verständnis seiner Anlage wichtig: An Straßen, Gräbern und offenen Höfen können Archäologinnen und Archäologen ablesen, wie die Wege durch die Begräbnisstätte gestaltet waren.

Das System der präventiven Archäologie

Entdeckt wurden die Gräber durch präventive Archäologie. Dieses gesetzlich geregelte Verfahren sieht vor, ein Baugelände zu untersuchen, bevor Fundamente verborgene Spuren zerstören.

Das System ist notwendig, weil Straßen, Wohnbauten und Versorgungsleitungen antike Schichten durchschneiden können, lange bevor deren Existenz bekannt ist.

Die italienischen Vorgaben betrachten solche Untersuchungen inzwischen als Möglichkeit, Funde zu schützen, Pläne anzupassen oder Ruinen mitunter in neue Bauvorhaben einzubinden.

An der Via Ostiense hat die Ausgrabung bereits mehr bewirkt, als ein Hindernis zu beseitigen: Sie hat ein Stück der Geschichte dieser Straße neu geschrieben.

Die Ausgrabung verspricht weitere Entdeckungen

Für die Stadtplanung stellt sich nun eine in Rom vertraute Frage: Wie lässt sich für die Gegenwart bauen, ohne das gerade entdeckte Erbe wieder zu begraben?

Einer amtlichen Mitteilung zufolge kann das Studierendenwohnheim weiterhin errichtet werden, sofern die Überreste geschützt, erforscht und zugänglich gemacht werden.

„Diese Entdeckung bestätigt die außergewöhnliche Komplexität des archäologischen Erbes der Stadt, das selbst in Bereichen, die vom städtischen Wandel betroffen sind, weiterhin zum Vorschein kommt“, sagte Daniela Porro, Roms Sonderaufsichtsleiterin.

Ein öffentlicher Zugang würde Rom mehr bieten als eine weitere eingezäunte Grabung: Die umliegenden Wohnviertel könnten eine neu zutage getretene Vergangenheit in ihr Leben aufnehmen.

Unter der Via Ostiense liegt nicht bloß eine Reihe von Gräbern, sondern eine verdichtete Geschichte des Wandels im römischen Umgang mit dem Tod.

Weitere Grabungen könnten Namen und Gegenstände ans Licht bringen. Schon jetzt zeigt die Fundstelle jedoch, wie Erinnerung, finanzielle Mittel und Stadtentwicklung unter der Erde aufeinandertrafen.

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Katharina Leitner

Katharina Leitner ist Expertin für österreichische Hotellerie und touristische Gastfreundschaft. Sie interessiert sich für die Geschichte des Hotel Aldershoff, sein gastronomisches Angebot und Ausflugsmöglichkeiten in der Umgebung.

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