Für viele Vielflieger sind Powerbanks auf langen Flügen ein Rettungsanker. Ist der Handyakku leer und am Sitz kein USB-Anschluss vorhanden, springt der externe Akku ein. Bei mehreren europäischen Fluggesellschaften soll dieses Szenario künftig nicht mehr vorkommen: Der Lufthansa-Konzern und weitere Airlines verschärfen ihre Sicherheitsregeln deutlich.
Was sich bei Lufthansa & Co. für Powerbanks ändert
Der Lufthansa-Konzern hat die Vorgaben für die Verwendung von Powerbanks an Bord grundlegend geändert. Dazu zählen unter anderem folgende Fluggesellschaften:
- Lufthansa
- Swiss
- Austrian Airlines
- Eurowings
- Edelweiss Air
- Brussels Airlines
Auf ihren Flügen gelten nun mehrere Einschränkungen:
- Andere Geräte dürfen an Bord nicht mehr mit einer Powerbank geladen werden.
- Auch das Aufladen der Powerbank selbst ist im Flugzeug nicht mehr erlaubt.
- Im Handgepäck dürfen Powerbanks weiterhin mitreisen, allerdings nur unter bestimmten Auflagen.
In Flugzeugen des Lufthansa-Konzerns ist es an Bord nicht mehr gestattet, Smartphones, Tablets oder Laptops mit Powerbanks aufzuladen.
Bisher erlaubten viele Airlines die Verwendung unter bestimmten Bedingungen: Die Powerbank musste sichtbar auf dem Klapptisch liegen und beobachtet werden. Diese Möglichkeit fällt nun weg. Erlaubt bleibt nur die Mitnahme, nicht aber die Nutzung.
Warum Fluggesellschaften jetzt strenger vorgehen
Auslöser der strengeren Vorgaben sind mehrere Zwischenfälle mit Lithium-Ionen-Akkus. Solche Akkus stecken auch in Powerbanks. Bei einem Defekt oder unsachgemäßer Handhabung kann es zum sogenannten thermischen Durchgehen kommen: Der Akku überhitzt unkontrolliert und kann schließlich brennen.
Ein besonders besorgniserregender Vorfall ereignete sich Anfang 2025 in Südkorea. Dort geriet ein Airbus A321 am Boden in Brand, nachdem eine Powerbank überhitzt war. Innerhalb weniger Sekunden stand die Batterie in Flammen. Solche Ereignisse beunruhigen Fluggesellschaften stark, weil ein Kabinenbrand während des Flugs eine ernste Gefahr darstellt.
Brände von Akkus lassen sich schwer löschen und erzeugen starke Hitze sowie dichten Rauch. Die Fluggesellschaften möchten diese Risiken möglichst weit senken. Statt sich auf eine „vorsichtige Verwendung“ zu verlassen, gehen sie deshalb nun einen Schritt weiter und verbieten die Nutzung vollständig.
Handgepäck erlaubt, aufgegebenes Gepäck strikt verboten
Manche Reisende glauben, sie könnten eine nicht verwendete Powerbank einfach im Koffer für den Frachtraum verstauen. Das ist jedoch bereits seit Jahren untersagt und bleibt auch weiterhin verboten.
- Im aufgegebenen Gepäck sind Powerbanks grundsätzlich nicht zulässig.
- Der Grund: Überhitzt ein Akku im Frachtraum, kann kein Mitglied der Crew eingreifen.
- Powerbanks müssen in die Kabine mitgenommen werden und unter Aufsicht einer Person bleiben.
Beim Lufthansa-Konzern gilt nun zusätzlich: Die Powerbank darf nicht irgendwo im Rucksack im Gepäckfach über dem Kopf verstaut werden. Sie soll am Körper oder unmittelbar am Sitzplatz bleiben, damit Veränderungen der Temperatur rechtzeitig auffallen.
Powerbanks dürfen in die Kabine mitgenommen werden, müssen aber am Platz sichtbar sein und dürfen nicht unsichtbar im Gepäckfach verstaut werden.
Dahinter steht die Überlegung, dass die Crew rasch reagieren kann, wenn das Gehäuse plötzlich heiß wird oder Rauch austritt. Sie kann die Powerbank dann sichern und Maßnahmen zur Brandbekämpfung einleiten.
Welche Kapazität noch zulässig ist
Neben den Nutzungsregeln ist auch die Kapazität einer Powerbank entscheidend. Die meisten Fluggesellschaften richten sich nach einer Obergrenze in Wattstunden (Wh). Der Lufthansa-Konzern nennt dafür ebenfalls konkrete Werte:
- Bis 100 Wh: Pro Person sind höchstens zwei Powerbanks erlaubt.
- Zwischen 100 Wh und 160 Wh: Die Mitnahme ist nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung der Airline zulässig.
- Über 160 Wh: Verboten, sowohl in der Kabine als auch im Frachtraum.
Die meisten handelsüblichen Powerbanks für Smartphones bleiben unter der Grenze von 100 Wh. Bei größeren Geräten für Laptops oder Camping wird es eher kritisch, da sie häufig deutlich mehr Kapazität haben. Vor der Reise sollten Nutzerinnen und Nutzer deshalb das Etikett genau kontrollieren.
So berechnest du die Wattstunden deiner Powerbank
Der Wert in Wattstunden ist nicht auf jeder Powerbank gut sichtbar angegeben. Oft finden sich auf dem Gehäuse nur Milliampere-Stunden (mAh) und Volt. Eine ungefähre Umrechnung ist so möglich:
- Formel: Wh = (mAh × Volt) / 1000
- Beispiel: 20.000 mAh bei 3,7 V → 20.000 × 3,7 / 1000 ≈ 74 Wh
Dieser Wert liegt deutlich unter der 100-Wh-Grenze und damit im sicheren Bereich. Wer regelmäßig fliegt, sollte sich kurz Zeit nehmen, um die Angaben auf der eigenen Powerbank zu überprüfen.
Air France und China sind noch strenger
Der Lufthansa-Konzern steht mit seinen Regeln nicht allein da. Bei Air France ist die Nutzung von Powerbanks während des Flugs bereits seit Längerem verboten. Auch dort gilt ein ähnlicher Grundsatz: mitnehmen ja, aktiv verwenden nein.
Auf vielen Verbindungen von und nach China sind die Vorgaben noch strenger. Bei den Sicherheitskontrollen wird insbesondere auf diese Punkte geachtet:
- Die Kapazität muss deutlich lesbar sein. Ist das Etikett abgerieben oder nicht lesbar, darf die Powerbank nicht mit.
- Seit Sommer 2023 benötigen Powerbanks eine CCC-Kennzeichnung für die chinesische Pflichtzertifizierung.
- Ohne CCC-Logo lehnen zahlreiche Airlines die Mitnahme ab, auch im Handgepäck.
Für Flüge nach China sollten nur Powerbanks mit gut sichtbarer Kapazitätsangabe und CCC-Logo in den Koffer gepackt werden – alles andere gilt als Risiko.
Vor allem ältere Geräte ohne Normkennzeichnung landen bei der Sicherheitskontrolle daher schnell in der Ablagebox. Geschäftsreisenden und Urlaubern mit einem Umstieg in China wird deshalb empfohlen, eine aktuelle, zertifizierte Powerbank zu kaufen.
Was Reisende jetzt konkret beachten sollten
Wer demnächst mit einer Fluggesellschaft des Lufthansa-Konzerns oder mit Air France fliegt, sollte seine Gewohnheiten etwas ändern. Einige praktische Maßnahmen können helfen, Stress am Gate und an Bord zu vermeiden:
- Die Powerbank vor dem Einsteigen vollständig aufladen und während der Reise nicht mehr verwenden.
- Die Powerbank im Flug am Körper oder direkt am Sitzplatz aufbewahren.
- Das Etikett mit der Kapazitätsangabe prüfen und bei Abnutzung besser ein neues Gerät besorgen.
- Bei großen Powerbanks mit hoher Kapazität rechtzeitig klären, ob eine Genehmigung erforderlich ist.
- Beim Einchecken oder online in den Beförderungsbedingungen der Airline nach den aktuellen Regeln sehen.
Wer unbedingt Strom benötigt, sollte nach Möglichkeit die Steckdosen oder USB-Anschlüsse im Flugzeug nutzen. Manche Fluggesellschaften bieten besonders in neueren Maschinen auch Sitzreihen mit leistungsstarken USB-Anschlüssen speziell für Laptops an.
Risiken, Begriffe und Alternativen kurz erklärt
Mit „thermischem Durchgehen“ ist der Vorgang gemeint, bei dem sich ein Akku selbst immer weiter erhitzt. Dabei beginnt im Inneren eine Reaktion, die sich kaum aufhalten lässt. Dieser Prozess macht Lithium-Ionen-Batterien besonders empfindlich: Schon ein kleiner Defekt oder ein heftiger Stoß kann ihn auslösen.
Das wird von Reisenden oft unterschätzt, weil Powerbanks im Alltag harmlos erscheinen. An Bord eines Flugzeugs sind die Bedingungen anders: Die Luftzirkulation ist eingeschränkt, und nur wenige Crewmitglieder können helfen, während sie zugleich andere Aufgaben erledigen müssen. Daher setzen Fluggesellschaften eher auf strenge Vorschriften als auf großzügige Ausnahmen.
Als Alternative zur Powerbank bieten sich Maßnahmen an, für die überhaupt kein Zusatzakku nötig ist: Offline-Karten, im Voraus heruntergeladene Serien, Flugmodus, ein dunkles Display und der Stromsparmodus. So halten viele Smartphones auch einen Langstreckenflug durch, besonders wenn sie frisch geladen starten.
Wer beruflich ständig auf mobile Stromversorgung angewiesen ist, sollte genau prüfen, welche Strecken er fliegt und welche Regeln bei der jeweiligen Airline gelten. Im Zweifel ist eine kleinere, eindeutig gekennzeichnete und gut zertifizierte Powerbank die stressfreiere Wahl als ein großes Hochleistungsmodell für Camping und Aktivitäten im Freien.






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