Wer in Österreich, Deutschland oder der Schweiz in Pension geht, merkt oft rasch, wie knapp das Geld werden kann – besonders in Städten. Zugleich wächst der Wunsch, den Lebensabend an einem warmen, sicheren und halbwegs leistbaren Ort zu verbringen. Als Geheimtipp gilt derzeit eine portugiesische Atlantikinsel: Dort leben Menschen mit rund 1.200 Euro Pension nach eigenen Angaben deutlich entspannter.
Madeira: Frühlingsklima statt Kassensturz am Monatsende
In vielen Haushalten von Menschen über 65 Jahren gehört der Taschenrechner gegen Monatsende zum Alltag. Miete, Betriebskosten, Lebensmittel und Medikamente summieren sich, während die Pension häufig kaum reicht. Wer nur knapp über der Mindestpension liegt, verzichtet oft auf Reisen und Hobbys und spart beim Essen.
Diese Generation hält deshalb nach Alternativen Ausschau. Dabei fällt immer öfter der Name Madeira. Die Insel liegt einige hundert Kilometer vor der marokkanischen Küste im Atlantik, gehört politisch zu Portugal und damit zur Europäischen Union. Ihr Beiname „Insel des ewigen Frühlings“ hat durchaus seinen Grund.
Im Winter bewegen sich die Temperaturen meist zwischen 15 und 18 Grad, im Sommer bei angenehmen 22 bis 26 Grad. Ausgaben fürs Heizen spielen kaum eine Rolle. Schnee fällt nur weit oben in den Bergen und gilt dort eher als Sensation. Menschen mit Arthrose, Rückenproblemen oder Kreislaufbeschwerden berichten häufig, dass ihnen das milde, feuchte Klima guttut.
Für Pensionistinnen und Pensionisten kommen überschaubare Ausgaben, verlässliche EU-Strukturen und ein Klima zusammen, das den Alltag merklich erleichtert.
Wie weit reichen 1.200 Euro im Monat auf Madeira?
Ein Blick auf die konkreten Kosten macht Madeira interessant. Erfahrungsberichte ausgewanderter Menschen, Vergleichsportale für Lebenshaltungskosten und Immobilienmakler nennen ähnliche Beträge.
Wohnen: der größte Unterschied zum deutschsprachigen Raum
Das größte Einsparpotenzial bietet die Wohnung. Für eine Stadtwohnung sind in Deutschland bei vielen Alleinstehenden oder Paaren 800 bis 1.000 Euro Nettomiete keine Seltenheit. Auf Madeira berichten Pensionistinnen und Pensionisten von erheblich niedrigeren Kosten:
- Eine einfache, aber ordentliche Wohnung abseits der touristischen Zentren: etwa 500 bis 600 Euro Miete
- Ein komfortables Zwei-Zimmer-Apartment in guter Lage: häufig 600 bis 800 Euro
- Wohnungen in stark touristisch geprägten Vierteln: teilweise ähnlich teuer wie in europäischen Großstädten
Von einer Pension in Höhe von 1.200 Euro bleibt damit wesentlich mehr für Alltag und Freizeit, auch wenn Betriebskosten und Internet dazugerechnet werden. Viele ältere Zugewanderte verzichten außerdem bewusst auf ein Auto und ersparen sich dadurch Versicherung, Steuer und Wartung.
Lebensmittel, Märkte und Freizeit
Auch beim täglichen Einkauf zeigt sich ein Preisunterschied. Wer neben Supermärkten die Wochenmärkte in Funchal oder kleineren Orten besucht, zahlt für Obst, Gemüse und Fisch oft deutlich weniger als in Mitteleuropa. Günstig sind vor allem Erzeugnisse von der Insel selbst, etwa Bananen, Papayas, Süßkartoffeln, Salat und frischer Fisch aus dem Atlantik.
Viele Menschen in Pension schildern ihren Tagesablauf so: in der Früh am Markt einkaufen, zu Mittag kochen und am Nachmittag in die Natur gehen. Darin steckt weiteres Sparpotenzial, denn die meisten Freizeitmöglichkeiten kosten kaum etwas:
- Wanderungen an den bekannten Bewässerungskanälen, den sogenannten „Levadas“
- Spaziergänge entlang der Steilküsten mit Blick aufs Meer
- Baden im Meer oder in natürlichen Felsenbecken, häufig kostenlos
- Besuche öffentlicher Parks mit ihrer tropischen Pflanzenvielfalt
Auf Madeira verlangen viele Unternehmungen eher Zeit und Kondition als Geld. Das ist ein Vorteil für Menschen mit begrenztem Budget.
Steuern, Krankenversicherung und Formalitäten vor dem Umzug
Der finanzielle Vorteil hängt nicht allein von niedrigeren Mieten und Lebensmittelpreisen ab. Auch die steuerlichen Vorschriften und der Zugang zur Gesundheitsversorgung sind ausschlaggebend. Steuerlich gehört Madeira zu Portugal; besondere Ausnahmen für die Insel gelten nur in bestimmten Bereichen.
Steuern auf die Pension
Frankreich und Portugal haben ein Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen, damit Menschen in Pension nicht doppelt Steuern zahlen. Für Österreich, Deutschland und die Schweiz gelten jeweils eigene Bestimmungen. Das Grundprinzip ist jedoch ähnlich: Geregelt wird, welches Land die Pension besteuert und welche Folgen das für die Steuerlast hat.
Portugal gewährte lange den Status als „nicht dauerhaft ansässiger Steuerpflichtiger“ (RNH). Dadurch konnten manche Menschen im Ruhestand bei bestimmten Pensionsarten steuerlich deutlich günstiger aussteigen. Inzwischen wurden die Regeln geändert, und neue Anträge werden strenger kontrolliert.
Wer einen Umzug nach Madeira erwägt, sollte sich vorher zu folgenden Fragen beraten lassen:
- Wie wird die eigene Pension im derzeitigen Wohnsitzstaat besteuert?
- Welche portugiesischen Steuervorschriften gelten für die jeweilige Pensionsart?
- Hat der Umzug Auswirkungen auf die Krankenversicherung oder auf Pflegeleistungen?
Gesundheitssystem und Versicherungen
Madeira verfügt als Teil Portugals über ein öffentliches Gesundheitssystem mit Krankenhäusern, Gesundheitszentren und Fachärztinnen und Fachärzten. EU-Bürgerinnen und EU-Bürger können ihre Ansprüche mithilfe europäischer Formulare übertragen und sich bei den örtlichen Behörden anmelden. Viele Pensionistinnen und Pensionisten schließen zusätzlich zur Grundversorgung eine private Versicherung ab, um kürzere Wartezeiten oder freie Arztwahl zu erhalten.
Menschen mit chronischen Krankheiten sollten vor der Auswanderung klären, ob vor Ort geeignete Fachärztinnen und Fachärzte sowie Therapien verfügbar sind – am besten bei einem Besuch auf der Insel.
Die Kehrseite: Entfernung, Sprache und steigende Mieten
So verlockend das Leben auf einer grünen Insel mit 1.200 Euro klingt, es hat auch deutliche Nachteile. Für viele ältere Menschen wiegt die Distanz zur Familie am schwersten. Enkelkinder nur noch ein- oder zweimal jährlich zu sehen, empfinden sie nicht selten als Preis für das bessere Klima.
Dazu kommt die Sprache. Im Alltag reichen den meisten Englisch und einige portugiesische Redewendungen. Bei Behördengängen, Arztterminen oder Mietverträgen hilft es jedoch enorm, mehr zu verstehen oder eine Übersetzerin beziehungsweise einen Übersetzer beizuziehen. Andernfalls fühlen sich viele auf Dauer eher als „Gast auf Zeit“ denn als wirklich angekommen.
Auch die zunehmende Beliebtheit bleibt auf Madeira nicht ohne Folgen. In der Hauptstadt Funchal und ihrer Umgebung sind die Mieten in den vergangenen Jahren gestiegen. Besonders Wohnungen mit Meerblick oder direkt am Strand kosten inzwischen deutlich mehr als die genannten 500 bis 600 Euro.
Für wen sich die Auswanderung nach Madeira lohnen kann
Ein Umzug ins Ausland ist nicht für alle passend. Manche Gruppen können von Madeira stärker profitieren, während andere rascher an ihre Grenzen stoßen.
- Geeignet ist die Insel für mobile Paare oder Alleinstehende, die aktiv sind, gerne wandern und ihre Familie nicht jeden Monat vor Ort brauchen.
- Eher schwierig kann der Umzug für stark pflegebedürftige Menschen sein, die auf ein vertrautes Netzwerk und regelmäßige Unterstützung angewiesen sind.
- Interessant ist Madeira für Menschen mit kleiner bis mittlerer Pension, die in ihrer Heimat kaum Wohnraum finden.
- Riskant ist der Schritt für Personen ohne jegliche Rücklagen, für die jede unerwartete Ausgabe schwer zu verkraften ist.
Wer sich nur vom milden Klima und schönen Prospektbildern leiten lässt, könnte enttäuscht werden. Ein realistischeres Bild erhält, wer sich informiert, probeweise mehrere Wochen auf der Insel wohnt und mit bereits ausgewanderten Menschen spricht.
Praktische Beispiele: ein Monatsbudget auf Madeira
Für ein Paar in Pension mit insgesamt 2.000 Euro Pension könnte ein fiktives, aber realistisches Monatsbudget in einer mittelgroßen Stadt auf Madeira so aussehen:
| Posten | Monatliche Kosten (Euro) |
|---|---|
| Miete für eine Zwei-Zimmer-Wohnung | 700 |
| Betriebskosten, Internet | 120 |
| Lebensmittel, Haushalt | 350–400 |
| Öffentlicher Nahverkehr | 60 |
| Freizeit, Gastronomie | 150 |
| Versicherung, private Gesundheitskosten | 100–150 |
Selbst bei vorsichtiger Kalkulation bleiben in diesem Beispiel mehrere hundert Euro übrig. In Mitteleuropa werden diese oft bereits von Miete und Heizkosten aufgezehrt. Darin liegt der Reiz für Menschen, die sonst jeden Einkauf dreimal durchrechnen müssen.
Wichtige Begriffe und Fallstricke für Interessierte
Wer seinen Lebensabend ernsthaft auf Madeira plant, begegnet bald verschiedenen Fachbegriffen. Einer davon ist der portugiesische Steuerstatus für nicht dauerhaft ansässige Personen. Wichtig ist außerdem der portugiesische Steueridentifikationscode, der für Mietverträge und Konten benötigt wird. Ohne ihn lässt sich vor Ort kaum etwas erledigen.
Auch die rechtlichen Regelungen zu Erbschaft, Patientenverfügung und Pflege können sich erheblich von jenen im deutschsprachigen Raum unterscheiden. Wer Risiken vermeiden will, zieht eine auf internationales Recht spezialisierte Anwaltskanzlei hinzu. Notarinnen und Notare auf Madeira sind ebenfalls auf ausländische Klientinnen und Klienten eingestellt, verlangen dafür aber teilweise höhere Gebühren.
Madeira ist letztlich kein Wundermittel gegen Altersarmut. Für manche Menschen kann die Insel den finanziellen Druck dennoch deutlich verringern. Wer sich bewusst für das Klima entscheidet und den Kulturwechsel sowie die Entfernung zur Familie in Kauf nimmt, kann dort mit 1.200 Euro mehr Lebensqualität gewinnen als in vielen teuren Großstädten nördlich der Alpen.






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