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Safran und Riyadh Air: Milliardenauftrag für 120 LEAP-1A-Triebwerke bekannt gegeben

Drei Männer, darunter Pilot und Techniker, schütteln sich vor einem großen Flugzeugtriebwerk die Hand am Flughafen.
In diesem Artikel
  1. Ein Auftrag über mehr als 1,4 Milliarden Euro mit Marktgewicht
  2. Riyadh Air: die neue Hoffnung der saudischen „Vision 2030“
  3. LEAP-1A: das Triebwerk als Maßstab für die neue Generation
  4. Safran festigt ihre Schlüsselrolle in Frankreichs Luftfahrtstrategie
  5. Risiken, Chancen und mögliche Veränderungen bis 2030

Während der Nahe Osten seine Luftfahrtambitionen neu ausrichtet, nutzt ein französischer Großkonzern den Aufschwung, um seine technologische Führungsstellung auszubauen.

Die junge saudische Fluggesellschaft Riyadh Air will ihre künftige Flotte von Airbus A321neo mit LEAP-1A-Triebwerken ausstatten. Damit steht die französische Safran im Mittelpunkt eines Milliardengeschäfts und festigt ihren Platz unter den weltweit führenden Anbietern von Flugzeugantrieben.

Ein Auftrag über mehr als 1,4 Milliarden Euro mit Marktgewicht

Der am 18. November 2025 auf der Luftfahrtmesse in Dubai bekannt gegebene Vertrag umfasst 120 LEAP-1A-Triebwerke von CFM International. Das Gemeinschaftsunternehmen gehört je zur Hälfte der französischen Safran Aircraft Engines und der US-amerikanischen GE Aerospace. Offizielle Vertragssummen wurden zwar nicht genannt, doch Branchenschätzungen lassen die Größenordnung erkennen.

Ausgehend von früheren Verträgen liegt der Stückpreis eines LEAP-1A bei rund 12 Millionen Euro. Für die 120 fest bestellten Triebwerke allein ergäbe das etwa 1,4 Milliarden Euro. Noch nicht eingerechnet sind dabei:

  • Ersatztriebwerke;
  • Ersatzteilbestände;
  • langfristige Wartungsverträge;
  • technische Unterstützung und Schulungen;
  • Überwachungsleistungen und Kundendienst nach dem Verkauf.

Verträge dieser Art entwickeln sich häufig zu Gesamtpaketen im Wert von mehreren Milliarden, die sich über Jahrzehnte des Betriebs, der Wartung und technischer Modernisierungen erstrecken.

Für Safran erfüllt die Vereinbarung einen doppelten Zweck: Sie sichert wiederkehrende Einnahmen und stärkt zugleich die Präsenz des LEAP-1A im Kern des Mittelstreckensegments, das von der A320neo-Familie von Airbus beherrscht wird.

Riyadh Air: die neue Hoffnung der saudischen „Vision 2030“

Riyadh Air wurde 2023 gegründet und ist ein strategischer Baustein der „Vision 2030“. Mit diesem Plan will Saudi-Arabien seine Wirtschaft breiter aufstellen und die Abhängigkeit vom Erdöl verringern. Die Luftfahrt soll dabei die Modernisierung sichtbar machen und Riad zu einem weltweiten Drehkreuz für den Flugverkehr entwickeln.

Das Ziel der Gesellschaft ist bereits klar: Sie will hochwertige internationale Strecken bedienen, mit regionalen Größen wie Emirates, Qatar Airways und Etihad um Fluggäste konkurrieren und dafür eine vollständig neue Flotte einsetzen. Das Rückgrat dieses Mittelstreckenprojekts bilden 60 Airbus A321neo mit LEAP-1A-Triebwerken.

Mit der Wahl des LEAP-1A zeigt Riyadh Air, dass sie ein gehobenes Erscheinungsbild mit Wirtschaftlichkeit verbinden möchte. Das ist entscheidend in einem Markt, der durch Treibstoffkosten und Umweltziele unter Druck steht.

Bei der Bekanntgabe in Dubai waren Führungskräfte beider Seiten anwesend. Riyadh Air wurde von Finanzvorstand Adam Boukadida und Vorstandschef Tony Douglas vertreten. Für Safran nahmen Stéphane Cueille, Präsident von Safran Aircraft Engines, und Olivier Andriès, Vorstandschef des Safran-Konzerns, teil. Ihre Anwesenheit unterstrich das politisch-industrielle Gewicht der Vereinbarung.

LEAP-1A: das Triebwerk als Maßstab für die neue Generation

Technik für weniger Verbrauch und größere Reichweite

LEAP steht für „führende Antriebstechnik in der Luftfahrt“. Das Triebwerk wurde 2016 in Dienst gestellt, um die bewährte CFM56-Familie abzulösen. Seither zählt es zu den meistverkauften Triebwerken der Zivilluftfahrt. Seine technischen Vorteile beruhen auf mehreren Merkmalen:

  • 15 % weniger Verbrauch gegenüber dem CFM56 senken die Kosten pro Sitzplatz und erhöhen die Reichweite.
  • Ein entsprechender Rückgang der CO₂-Emissionen unterstützt Fluggesellschaften bei ihren Dekarbonisierungszielen.
  • Geringerer Lärm ist ein Vorteil für Flughäfen inmitten städtischer Gebiete.
  • Fanschaufeln aus dreidimensional geflochtenem Verbundwerkstoff sind leichter und widerstandsfähiger als herkömmliche Metalllegierungen.
  • Keramische Verbundwerkstoffe (CMC) in inneren Bauteilen halten höheren Temperaturen stand und verbessern den thermischen Wirkungsgrad.

Für den Einsatz auf der Arabischen Halbinsel erhält das Triebwerk außerdem einen speziellen Haltbarkeitssatz für die Hochdruckturbine. Er ist auf feinen Sand, extreme Hitze und abrupte Temperaturschwankungen ausgelegt – typische Bedingungen an Flughäfen in Wüstenregionen.

Zahlen hinter der Nachfrage der Fluggesellschaften

Ein großer Teil der weltweit eingesetzten A320neo- und A321neo-Flotte fliegt bereits mit dem LEAP-1A. In weniger als einem Jahrzehnt wurden mehr als 4.000 Triebwerke ausgeliefert; rund 1.700 Flugzeuge sind mit dieser Konfiguration unterwegs. Tausende weitere Triebwerke stehen in den Auftragsbüchern von CFM.

Die technischen Daten zeigen, weshalb sich so viele Unternehmen für das Triebwerk anstellen:

Merkmal Angabe
Treibstoffverbrauch ≈ 15 % geringer als beim CFM56
CO₂-Reduktion ≈ 15 %
Fandurchmesser 1,98 m
Gewicht ≈ 2.900 kg
Maximaler Schub 15.000 bis 35.000 lbf, je nach Ausführung; rund 66,7 bis 155,7 kN
Schlüsseltechnologien 3D-Verbundwerkstoff, CMC, optimierte Triebwerksgondeln
Wartung Laufende Überwachung während des Fluges
Montagestandorte Frankreich (Villaroche, Saint-Quentin) und USA (Durham)

Ein Effizienzgewinn von 15 % summiert sich bei Tausenden Flugstunden pro Jahr über die Lebensdauer jedes Flugzeugs auf Einsparungen von mehreren zehn Millionen Dollar.

Safran festigt ihre Schlüsselrolle in Frankreichs Luftfahrtstrategie

Der Vertrag mit Riyadh Air unterstreicht eine Entwicklung: Frankreich nimmt sowohl im Flugzeugbau als auch in der Raumfahrt eine immer sichtbarere Rolle ein. Safran ist dabei an zahlreichen Vorhaben beteiligt – von der privatwirtschaftlich geprägten Raumfahrt über Triebwerke für die kommerzielle Luftfahrt bis hin zu möglichen elektrischen Antriebslösungen in der Zukunft.

Mit Werken wie Villaroche und Saint-Quentin in Frankreich sowie Durham in den USA verfügt der Konzern über ein Produktionsnetz, das Airbus ebenso wie Boeing beliefert. Bei Boeing kommt das LEAP-1B in der 737 MAX zum Einsatz. Die Größe dieses Netzes hilft, Kosten zu verteilen und neue Triebwerksgenerationen zu finanzieren.

Was für Fluggesellschaften und Reisende auf dem Spiel steht

Für Fluglinien ist die Wahl eines Triebwerks mehr als eine technische Entscheidung. Sie ist eine Kalkulation über Jahrzehnte, bei der Betriebskosten, Zuverlässigkeit, Ersatzteilverfügbarkeit und sogar der Restwert des Flugzeugs beim Wiederverkauf eine Rolle spielen.

Bei Riyadh Air dürften sich mit der Zeit mehrere unmittelbare Auswirkungen des LEAP-1A zeigen:

  • niedrigere Kosten pro Sitzplatz, die wettbewerbsfähigere Tarife ermöglichen;
  • leisere Flüge, deren Lärm von Behörden zunehmend überwacht wird;
  • größere Reichweite auf Mittelstrecken ab Riad, die Europa, Asien und Afrika verbinden;
  • ein mit Effizienz und geringerem CO₂-Fußabdruck verbundenes Image.

Entscheiden sich Dutzende Fluggesellschaften für dasselbe Triebwerk, entsteht ein „Netzwerkeffekt“: Es gibt mehr zertifizierte Werkstätten, mehr gesammelte Erfahrung und ein geringeres Betriebsrisiko.

Risiken, Chancen und mögliche Veränderungen bis 2030

Ein Vertrag dieser Größenordnung birgt auch Risiken. Die Lieferkette der Luftfahrt spürt weiterhin die Folgen der Pandemie, und verspätete Triebwerkslieferungen haben bereits mehreren Fluggesellschaften Schwierigkeiten bereitet. Jeder Produktionsengpass bei Safran oder GE könnte die Inbetriebnahme der A321neo von Riyadh Air verzögern.

Ein weiterer sensibler Punkt ist der regulatorische Druck, nachhaltige Flugtreibstoffe, sogenannte SAF, einzusetzen. Triebwerke wie das LEAP-1A sind bereits für den Betrieb mit SAF-Mischungen zugelassen. Verfügbarkeit und Kosten dieser Treibstoffe bleiben jedoch unsicher. Verschärfen Regierungen ihre Umweltziele, hätten Betreiber effizienterer Triebwerke einen erheblichen Vorteil.

Ein zentraler Begriff ist dabei die „Echtzeitüberwachung“ des Triebwerks. Hersteller meinen damit Systeme, die während des Fluges Daten zu Temperatur, Vibration, Druck und Verbrauch erfassen. Diese Informationen gehen an Entwicklungszentren, die Ausfälle vorherzusagen versuchen, bevor sie auftreten. In der Praxis lassen sich dadurch ungeplante Stillstände vermeiden und Flugausfälle verringern.

Für die kommenden Jahre ist eine Kombination aus drei Entwicklungen denkbar: eine schrittweise stärkere Nutzung von SAF, die Optimierung von Flugrouten mithilfe künstlicher Intelligenz und ein effizienterer Betrieb von Triebwerken wie dem LEAP-1A. Zusammen könnten diese Faktoren Verbrauch und Emissionen um einige zusätzliche Prozentpunkte senken, ohne die grundlegende Bauweise der Flugzeuge zu verändern.

Für Safran stärkt jeder Milliardenvertrag sowohl die Finanzmittel als auch die Voraussetzungen, um in den nächsten Technologiesprung zu investieren: noch sparsamere, möglicherweise hybride Triebwerke, die langfristig für alternative Treibstoffe wie Wasserstoff geeignet sind. Aufstrebende Fluggesellschaften wie Riyadh Air setzen dagegen darauf, von Beginn an die solideste verfügbare Technik einzusetzen. So wollen sie das Risiko verringern, in einer Branche zurückzufallen, die sich schneller verändert, als es auf den ersten Blick scheint.

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Katharina Leitner

Katharina Leitner ist Expertin für österreichische Hotellerie und touristische Gastfreundschaft. Sie interessiert sich für die Geschichte des Hotel Aldershoff, sein gastronomisches Angebot und Ausflugsmöglichkeiten in der Umgebung.

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