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Vegane Ernährung für Babys: Große Studie untersucht das Wachstum

Eine Mutter füttert ein Baby, während ein weiteres Baby im Hochstuhl sitzend zuschaut in einer Küche.
In diesem Artikel
  1. Was die Studie zur Ernährung von Babys untersucht hat
  2. Wachstum: Pflanzlich ernährte Babys entwickeln sich ähnlich
  3. Ein vorübergehender Unterschied beim Gewicht
  4. Klein, aber selten: Wachstumsverzögerung („Stunting“)
  5. Warum vegane Babys oft etwas kleiner starten
  6. Stillen, Flascherl, Familienkost: Mehr als nur „vegan oder nicht“
  7. Ohne diese Nährstoffe geht es nicht
  8. Wie Familien pflanzenbasierte Babykost sicher gestalten
  9. Wo die Studie an Grenzen stößt
  10. Was die Ergebnisse für Eltern in Österreich und im deutschsprachigen Raum bedeuten

In Internetforen, Krabbelgruppen und Elternchats wird lebhaft darüber diskutiert, ob ein Baby auch dann gesund aufwachsen kann, wenn sich die Familie ausschließlich pflanzlich ernährt. Eine neue, umfangreiche Auswertung israelischer Gesundheitsdaten liefert dazu überraschend deutliche Antworten und nimmt vielen Eltern eine wichtige Sorge.

Was die Studie zur Ernährung von Babys untersucht hat

Ein Forschungsteam der Ben-Gurion-Universität in Israel wertete die Gesundheitsdaten von knapp 1,2 Millionen Babys aus. Im Mittelpunkt standen dabei folgende Messwerte:

  • Körpergewicht
  • Körperlänge
  • Kopfumfang

Die Kinder lebten in Haushalten, die sich grob drei Ernährungsformen zuordnen ließen:

  • vegan: vollständig ohne tierische Produkte
  • vegetarisch: ohne Fleisch, aber beispielsweise mit Milch oder Eiern
  • mit Mischkost: herkömmliche Ernährung mit Fleisch, Fisch und Milchprodukten

Bei zahlreichen Routineterminen in kinderärztlichen Ordinationen wurde die Entwicklung der Kinder bis etwa zu ihrem zweiten Geburtstag verfolgt. Die ersten beiden Lebensjahre gelten für Wachstum und Entwicklung als besonders empfindliche Phase.

Die wichtigste Botschaft: Im Alter von zwei Jahren waren Kinder aus veganen und vegetarischen Haushalten durchschnittlich ebenso groß und schwer wie Kinder, die auch Fleisch erhielten.

Wachstum: Pflanzlich ernährte Babys entwickeln sich ähnlich

Die Wachstumskurven zeigen ein auffälliges Muster: Ob vegan, vegetarisch oder mit Fleisch ernährt – Gewicht, Länge und Kopfumfang entwickeln sich entlang bemerkenswert ähnlicher Linien.

In den ersten Lebensmonaten gab es zwar kleinere Unterschiede. Je näher der zweite Geburtstag rückte, desto geringer wurden sie jedoch. Einige pflanzlich ernährte Babys erschienen anfangs etwas leichter; am Ende lagen die Durchschnittswerte praktisch auf demselben Niveau.

Das Forschungsteam bezog auch das Geburtsgewicht in seine Berechnungen ein. Wer kleiner zur Welt kommt, kann bei den ersten Eltern-Kind-Pass-Untersuchungen rasch „unter der Kurve“ liegen, obwohl das Wachstum selbst völlig normal verläuft. Nach Berücksichtigung dieses Unterschieds zu Beginn fielen die Abweichungen zwischen den Ernährungsgruppen noch geringer aus.

Ein vorübergehender Unterschied beim Gewicht

Während der ersten zwei Monate zeigte sich eine Besonderheit: Babys aus veganen Haushalten wurden etwas öfter als untergewichtig eingestuft als gleich alte Kinder aus anderen Familien. Der Unterschied war allerdings vergleichsweise gering und verschwand im Lauf der Zeit.

Spätestens mit zwei Jahren war die Differenz so klein, dass sie statistisch keine Rolle mehr spielte. Das verdeutlicht die Bedeutung engmaschiger Eltern-Kind-Pass-Untersuchungen: Eine etwas zu geringe Energie- oder Nährstoffzufuhr lässt sich früh erkennen, bevor sie das Wachstum dauerhaft beeinträchtigt.

Klein, aber selten: Wachstumsverzögerung („Stunting“)

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Wachstumsverzögerung, auf Englisch „Stunting“ genannt. Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnet damit Kinder, die deutlich kleiner sind als der übliche Durchschnitt ihrer Altersgruppe. Das kann auf eine länger andauernde Mangelversorgung hinweisen.

Die Auswertung ergab dazu ein beruhigendes Bild:

  • Nur rund drei bis vier Prozent der Kinder erfüllten die Kriterien für „Stunting“.
  • Zwischen den Ernährungsgruppen waren die Häufigkeiten ähnlich.

Die Forschenden betonen, dass Ärztinnen und Ärzte stets das einzelne Kind und nicht den Durchschnitt beurteilen. Dennoch zeigen die Daten klar, dass eine pflanzenbasierte Familienküche im Allgemeinen nicht zu massenhafter Kleinwüchsigkeit führt.

Warum vegane Babys oft etwas kleiner starten

Ein Blick auf die Geburt liefert ein interessantes Detail: Babys aus veganen Haushalten waren bei der Geburt durchschnittlich etwas leichter und kürzer. Die Unterschiede waren allerdings sehr gering.

Merkmal Veganer Haushalt Übrige Haushalte
Geburtsgewicht ca. 99 g leichter Referenz
Geburtslänge ca. 0,5 cm kürzer Referenz

Die Studie kann die Ursache nicht sicher erklären, da detaillierte Angaben zur Ernährung während der Schwangerschaft und zu Nahrungsergänzungsmitteln fehlten. Möglicherweise spielt die Energiezufuhr der Mutter eine Rolle, möglicherweise sind bestimmte Nährstoffe beteiligt. Gesichert ist keine dieser Erklärungen.

Wichtiger ist: Bei den meisten Kindern folgte auf den etwas kleineren Start später ein völlig normales Wachstum.

Stillen, Flascherl, Familienkost: Mehr als nur „vegan oder nicht“

Das Forschungsteam weist darauf hin, dass die Ernährung der Babys in den ersten Monaten tatsächlich noch stark von Muttermilch oder Säuglingsnahrung bestimmt wurde. Die Familienbezeichnung „vegan“ oder „vegetarisch“ erschien erst dann in den Akten, wenn feste Nahrung eingeführt wurde.

Mütter in veganen Haushalten stillten im Durchschnitt länger. Das könnte frühe Gewichtsunterschiede mit beeinflusst haben, ohne das langfristige Wachstum zu verändern. Die Ergebnisse stehen daher eher für die gesamte Betreuung – einschließlich Stilldauer, Essgewohnheiten der Familie und medizinischer Begleitung – als für eine einzelne Mahlzeit.

Ohne diese Nährstoffe geht es nicht

Trotz der erfreulichen Ergebnisse gilt: Eine pflanzenbasierte Ernährung im Babyalter funktioniert nur, wenn die Versorgung mit bestimmten Nährstoffen gezielt sichergestellt wird. Besonders wichtig sind:

  • Vitamin B12: Es kommt von Natur aus fast ausschließlich in tierischen Produkten vor. Vegan lebende Eltern benötigen angereicherte Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel. Gestillte Kinder sind unmittelbar von der Versorgung der Mutter abhängig.
  • Eisen: Durch rasches Wachstum leeren sich die Eisenspeicher schnell. Geeignete Quellen sind etwa Hülsenfrüchte, Hafer, Vollkornprodukte, altersgerecht zubereitete Nüsse und angereicherte Breie, am besten in Kombination mit Vitamin C.
  • Kalzium und Vitamin D: Beide sind für Knochen und Zähne wichtig. Pflanzliche Milchalternativen sollten angereichert sein; bei vielen Babys kommen zusätzlich Tropfen zum Einsatz.
  • Eiweiß: Eine Kombination aus Hülsenfrüchten, Getreide, Nüssen und Saaten kann den Bedarf gut decken, sofern insgesamt genügend Energie aufgenommen wird.

Die Daten untermauern, was Ernährungsfachleute seit Jahren sagen: Eine sorgfältig geplante vegetarische oder vegane Ernährung kann Kinder in jeder Lebensphase ausreichend versorgen.

Wie Familien pflanzenbasierte Babykost sicher gestalten

Für Eltern, die ihr Baby überwiegend oder vollständig pflanzlich ernähren möchten, ergeben sich aus der Studie und den gängigen Fachempfehlungen einige praktische Hinweise:

  • Frühzeitig mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt über die gewünschte Ernährungsform sprechen.
  • Die Eltern-Kind-Pass-Untersuchungen regelmäßig wahrnehmen und die Wachstumskurven beobachten.
  • In einer qualifizierten Ernährungsberatung klären, welche Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sind – insbesondere B12, Vitamin D und gegebenenfalls DHA, eine Omega-3-Fettsäure.
  • Beim Beginn der Beikost nicht nur „ohne Fleisch“, sondern bewusst auch „mit Nährstoffen“ planen: Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Gemüse, Obst und angereicherte Produkte einbeziehen.
  • Auf eine ausreichende Kalorienzufuhr achten. Gerade eine sehr „saubere“ Ernährung mit viel rohem Gemüse kann für Babys schnell zu energiearm sein.

Wo die Studie an Grenzen stößt

Trotz der beeindruckenden Datenmenge bleiben Fragen offen. Das Forschungsteam wusste nicht im Detail, was jedes einzelne Kind tatsächlich aß. Die Zuordnung zu „vegan“, „vegetarisch“ oder „mischköstlich“ basierte auf einer einzigen Angabe der Eltern. Ob im Alltag überwiegend Vollkornprodukte und Gemüse oder eher Fertigprodukte serviert wurden, blieb unbekannt.

Ebenso wenig enthielten die Datensätze Angaben zu Nahrungsergänzungsmitteln, angereicherten Pflanzendrinks oder späteren Veränderungen der Familienernährung. Zudem wurde das Wachstum nur bis ungefähr zum Alter von zwei Jahren beobachtet. Ob sich in späteren Jahren etwa Unterschiede bei der Knochenstabilität oder beim Verlauf der Pubertät zeigen, muss weitere Forschung klären.

Was die Ergebnisse für Eltern in Österreich und im deutschsprachigen Raum bedeuten

Für Familien in Ländern mit einem gut ausgebauten Gesundheitssystem vermittelt die Studie eine klare Botschaft: Wer sein Baby pflanzenbasiert ernähren möchte, hat bei sorgfältiger Planung und regelmäßiger medizinischer Begleitung realistische Chancen auf eine ganz normale Entwicklung des Wachstums.

Weniger entscheidend als die Bezeichnung „vegan“ oder „vegetarisch“ ist die Qualität der Ernährung: viele frische Lebensmittel, gezielte Nährstoffquellen, verlässliche Nahrungsergänzungsmittel und eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt, die oder der das Konzept kennt und mitträgt.

Eltern profitieren davon, ihre Fragen frühzeitig offen anzusprechen: Wie könnte ein typischer Tagesplan aussehen? Welche Lebensmittel liefern genügend Energie? Welche Blutwerte sollten kontrolliert werden? So kann aus einer vermeintlichen Risikoernährung ein bewusst geplanter Weg werden, auf dem der Nachwuchs gesund groß wird – mit oder ohne Schnitzel.

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Katharina Leitner

Katharina Leitner ist Expertin für österreichische Hotellerie und touristische Gastfreundschaft. Sie interessiert sich für die Geschichte des Hotel Aldershoff, sein gastronomisches Angebot und Ausflugsmöglichkeiten in der Umgebung.

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