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Warum eine Bordkarte nach dem Flug gefährlich sein kann

Person hält Flugticket und Smartphone am Flughafen mit Flugzeug und Rollfeld im Hintergrund.
In diesem Artikel
  1. Papierbordkarten sind weiterhin im Umlauf
  2. Der Barcode auf der Bordkarte ist der Schlüssel
  3. Warum das teuer werden kann
  4. So schützen Sie Ihre Bordkarte
  5. Wie sicher sind mobile Bordkarten?
  6. Der oft vergessene Gepäckabschnitt
  7. So prüfen Sie Ihre Bordkarte sicher
  8. Wenn Sie eine Bordkarte bereits veröffentlicht haben

Ein winziger Papierstreifen kann noch unangenehme Folgen haben.

Sobald die Fluggastbrücke hinter ihnen liegt, halten viele Reisende ihre dünne Bordkarte für erledigt. Sie werfen sie in einen Mistkübel oder lassen sie auf einem Cafétisch liegen. Was harmlos wirkt, kann später teuer werden: durch gestohlene Meilen, veränderte Buchungen oder gezielte Betrugsversuche.

Papierbordkarten sind weiterhin im Umlauf

Viele Menschen drucken ihre Bordkarte nach wie vor aus. Handys können leer werden, Apps abstürzen und das Flughafen-WLAN gerade im ungünstigsten Moment versagen. Automaten und Mitarbeitende am Check-in bleiben daher eine Absicherung – und mit ihnen der A4-Ausdruck oder die Bordkarte aus Karton.

Nach der Landung beginnt das Problem: Wir entspannen uns, räumen unsere Taschen aus und werfen die Bordkarte in einen öffentlichen Mistkübel oder lassen sie auf einem Sitz liegen. Genau dort suchen Kriminelle gerne nach Daten.

Der Barcode auf der Bordkarte ist der Schlüssel

Nicht Sitzplatz oder Flugsteig sind die sensibelsten Angaben auf Ihrer Bordkarte, sondern der schwarz-weiße Barcode beziehungsweise QR-Code. Mit den passenden Werkzeugen ausgelesen, zeigt er Datenfelder, die durch den Fluglinienstandard BCBP festgelegt sind. Dazu gehören häufig Ihr Name, die Flugnummer, die Ticketnummer und – besonders wichtig – die Buchungsreferenz, auch PNR-Buchungscode genannt.

Der PNR ist der Generalschlüssel. Zusammen mit Ihrem Nachnamen öffnet er häufig Seiten zur Buchungsverwaltung, auf denen Kontaktdaten und Möglichkeiten zur Änderung der Reise zugänglich sind.

Von dort aus können geduldige Angreifer E-Mail-Adressen und Telefonnummern sammeln, Reisepläne einsehen und mitunter Sitzplätze ändern oder Zusatzleistungen stornieren. In manchen Fällen können sie Erstattungen anstoßen oder Kopien von Belegen anfordern, die weitere Hinweise preisgeben. Kreditkartennummern stehen zwar nicht auf der Bordkarte. Nach dem Zugriff auf Ihre Reservierung können aber möglicherweise Teile der Zahlungsdaten und Kennungen von Treueprogrammen sichtbar werden.

Was der Code preisgeben kann und welche Risiken entstehen

Offen gelegte Daten Wo sie erscheinen Risiko oder Missbrauch
Name + PNR-Buchungscode Dateninhalt des Barcodes Zugang zum Buchungsportal sowie Einsicht und Änderung von Angaben
E-Ticketnummer Barcode und aufgedruckte Zeile Bestätigung der Identität in Fluglinien-Chats und an Schaltern
Vielfliegernummer und -status Barcode oder Text Meilendiebstahl und Phishing, das auf Vorteile für Mitglieder mit hohem Status zugeschnitten ist
Flugzeiten und Strecken Sichtbar aufgedruckt Zeitlich abgestimmte Betrugsversuche und Hinweise auf eine leer stehende Wohnung
Gepäckanhängernummer Aufkleber auf der Bordkarte Manipulation von Mitarbeitenden an Fundgepäckschaltern

Warum das teuer werden kann

Manipuliert jemand Ihre Buchung, können Umbuchungsgebühren und Tarifunterschiede ins Geld gehen. Bei einem eng getakteten Reiseplan kann sich das Problem schnell vergrößern. Auch Treuekonten haben einen tatsächlichen Wert: Sobald Diebe Zugriff erhalten, können Meilen und Upgrade-Gutscheine rasch verschwinden. Bis der Kundendienst der Fluglinie den Schaden behebt, vergeht oft Zeit.

Hinzu kommt eine weitere Gefahr: passgenauer Betrug. Wer Ihre Strecke und Ihren Zeitplan kennt, kann Nachrichten verschicken, die zum richtigen Zeitpunkt eintreffen und glaubwürdig wirken. „Ihr aufgegebenes Gepäck hat Verspätung. Klicken Sie hier, um die Zustellgebühr zu bezahlen.“ Passt die Geschichte zum eigenen Reisetag, klicken viele Menschen darauf.

Auch das alte Problem „Ich bin nicht zu Hause“ bleibt bestehen. Schon ein einzelnes Foto einer Bordkarte in sozialen Medien kann zeigen, dass eine Adresse tagelang unbewohnt ist. Zusammen mit einem öffentlichen Profil reicht das Risiko über die digitale Welt hinaus.

Stellen Sie niemals eine Bordkarte für eine laufende Reise ins Internet. Damit geben Sie auf einmal Ihren Aufenthaltsort, Ihren Zeitplan und den Schlüssel zu Ihrer Buchung preis.

So schützen Sie Ihre Bordkarte

  • Behalten Sie die Bordkarte, bis Sie Ihr Gepäck in Händen halten. Geht etwas verloren, hilft der Gepäckaufkleber weiter.
  • Machen Sie den Barcode vor dem Wegwerfen unkenntlich. Falten und zerreißen Sie ihn oder kratzen Sie ihn vollständig aus.
  • Verwenden Sie eine mobile Bordkarte in einer abgesicherten Wallet-App. Sperren Sie Ihr Handy mit einer PIN oder biometrischen Merkmalen.
  • Vermeiden Sie Bildschirmfotos in Ihrer Fotogalerie. Sie werden möglicherweise gesichert und später erneut angezeigt.
  • Aktivieren Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung für Ihre Konten bei Fluglinien und Treueprogrammen.
  • Löschen Sie nach der Reise gespeicherte Bordkarten aus Apps und räumen Sie Ihren Download-Ordner auf.
  • Teilen Sie keine Fotos von Bordkarten. Falls es unbedingt sein muss, machen Sie Barcode und PNR vollständig unkenntlich.

Wie sicher sind mobile Bordkarten?

Handys verringern das Risiko, dass Papierbordkarten in falsche Hände geraten. Auf einem gesperrten Gerät ist die Bordkarte besser geschützt als in einem Mistkübel. Wallet-Apps funktionieren außerdem offline – ein Vorteil an Flugsteigen mit schlechtem Empfang.

Es gibt allerdings Einschränkungen: Bildschirmfotos umgehen den Schutz der Wallet-App. Manche Android-Geräte zeigen eine Bordkarte auf dem Sperrbildschirm an; deaktivieren Sie diese Schnellansicht, wenn Sie Ihr Handy anderen überlassen. Geht das Gerät verloren, nutzen Sie die Funktionen von Apple oder Google zum Fernlöschen. Und denken Sie daran: Laden Sie ein Bild der Bordkarte irgendwo hoch, entsteht dasselbe Risiko wie bei einer Papierbordkarte.

Der oft vergessene Gepäckabschnitt

Mitarbeitende kleben den schmalen Gepäckbeleg häufig auf die Rückseite der Bordkarte. Bewahren Sie ihn auf, bis Ihr Koffer angekommen ist. Der Beleg beweist, dass Sie das Gepäckstück aufgegeben haben, und verbindet Ihren Namen im System der Fluglinie mit der Anhängernummer. Sobald Sie Ihr Gepäck vom Band geholt haben, behandeln Sie den Beleg wie die Bordkarte: Schreddern oder zerreißen Sie ihn, denn die Nummer kann bei manipulativen Anrufen verwendet werden.

So prüfen Sie Ihre Bordkarte sicher

Möchten Sie wissen, was Ihre Bordkarte preisgibt? Sie können das zu Hause privat überprüfen. Verwenden Sie eine Barcode-Lese-App ohne Internetverbindung oder ein Programm auf dem Laptop, das keine Bilder hochlädt. Scannen Sie die Bordkarte erst nach Ihrer Reise und löschen Sie die Datei anschließend. Vergleichen Sie die angezeigten Angaben mit dem Aufdruck. Wahrscheinlich sehen Sie den PNR, die Ticketnummer, Ihren Namen und Flugdaten. Verlangt ein Lesegerät oder eine Website, dass Sie die Bordkarte auf einen Server hochladen, verzichten Sie darauf.

Wenn Sie eine Bordkarte bereits veröffentlicht haben

Handeln Sie rasch und entfernen Sie das Bild. Rufen Sie die Fluglinie an und bitten Sie darum, Änderungen an der Buchung zu sperren oder einen neuen Bestätigungscode auszustellen. Ändern Sie das Passwort Ihres Treuekontos und aktivieren Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Achten Sie auf E-Mails oder SMS, die unter dem Vorwand von „Gebühren“, einer „Umbuchung“ oder einer „Gepäckzustellung“ eine Zahlung verlangen. Kontaktieren Sie die Fluglinie im Zweifel über ihre offizielle App oder die Telefonnummer auf Ihrem E-Ticketbeleg.

Weitere Hintergründe, die Reisende selten erfahren

Das Barcodeformat der Fluglinien ist standardisiert, damit Scanner an jedem Flughafen es lesen können. Diese praktische Lösung hat zwei Seiten: Sicherheitsteams nutzen sie, um Warteschlangen schneller abzuwickeln, während Betrüger damit die Datensammlung automatisieren. Einige Flughäfen haben gemeldet, dass Bordkarten in der Nähe von Flugsteigen weggeworfen wurden – für Kriminelle ist das wie ein Regal zum Einkaufen. Eine kleine Änderung der Gewohnheit, nämlich den Code zu zerreißen, nimmt ihnen diesen Vorteil.

Ein weiterer Aspekt betrifft Geschäftsreisende: Eine Bordkarte kann Firmenkontonummern, VIP-Leistungen oder sogar Konferenztermine offenlegen, die bei manchen Reiseplänen als Vermerke aufgedruckt sind. Wenn Sie beruflich reisen, beziehen Sie Ihr IT-Team beim Kontoschutz und bei Warnmeldungen zu Zahlungskarten für Geschäftsausgaben während der Reise ein.

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Katharina Leitner

Katharina Leitner ist Expertin für österreichische Hotellerie und touristische Gastfreundschaft. Sie interessiert sich für die Geschichte des Hotel Aldershoff, sein gastronomisches Angebot und Ausflugsmöglichkeiten in der Umgebung.

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