Im Nordosten der Vereinigten Staaten breitet sich ein auffälliger Eindringling aus, der menschlichen Blicken dennoch oft entgeht. Deshalb setzen Hundeführerinnen und Hundeführer nun auf Spürhunde: Sie sollen die winzigen Eigelege der Gefleckten Laternenzikade auf Baumstämmen, Pfosten, Steinen und sogar Anhängern aufspüren.
Ein unauffälliger Eindringling mit kostspieligen Folgen
Die Gefleckte Laternenzikade stammt ursprünglich aus Asien und wurde 2014 erstmals in Pennsylvania nachgewiesen. Mittlerweile hat sie sich auf 19 Bundesstaaten, darunter New York, ausgebreitet. Dabei reist sie auf Fahrzeugen, Paletten und im Freien genutzten Geräten mit. Erwachsene Tiere saugen Pflanzensaft und hinterlassen klebrigen Honigtau, auf dem sich Rußtaupilze ansiedeln. Diese überziehen Blätter und Früchte.
Besonders gefährdet sind Weinreben. Doch auch Äpfel, Hopfen, Ahorn, Schwarznuss und andere Laubbäume stehen unter Druck. Die Folgen beschränken sich nicht auf Ernteverluste: Betriebe müssen häufiger spritzen, mehr Arbeit aufwenden und strengere Hygieneregeln einhalten. Zugleich beschweren sich Gäste und Anwohner über Schwärme auf Terrassen und Parkplätzen.
Bei starkem Befall berichten Anbaubetriebe, dass ganze Rebflächen innerhalb einer einzigen Saison absterben.
Zusätzliche Insektizide und Arbeitsstunden können die saisonalen Kosten um bis zu 170 Prozent erhöhen.
Der Winter eröffnet ein kleines Zeitfenster für Gegenmaßnahmen. Während die erwachsenen Tiere bei starkem Frost sterben, bleiben ihre Eigelege bis zum Frühjahr auf Rinde und künstlichen Oberflächen haften. Werden die Eier gefunden und vernichtet, lässt sich die nächste Generation bereits vor dem Schlüpfen stoppen.
Was die Feldversuche von Cornell ergaben
Eine neue Untersuchung der Cornell University und des New York Invasive Species Research Institute prüfte, ob Hunde bei der Suche helfen können. Zwei ausgebildete Tiere, ein Labrador-Retriever und ein Belgischer Malinois, arbeiteten auf 20 Weingütern in Pennsylvania und New Jersey gemeinsam mit menschlichen Suchteams. Zunächst durchkämmten die Teams Reben und Pfosten, danach angrenzende Wälder, in denen die Laternenzikaden häufig überwintern.
Die Ergebnisse unterschieden sich deutlich je nach Umgebung. In Weingärten mit geordneten Strukturen und vorhersehbaren Suchwegen fanden die Menschen mehr Eigelege als die Hunde. Im unebenen, unübersichtlichen und von Tarnmöglichkeiten geprägten Wald kehrte sich das Verhältnis um.
In bewaldeten Gebieten spürten die Hunde Eigelege der Laternenzikade etwa 3,4-mal so häufig auf wie die menschlichen Suchenden. Zwischen den Rebzeilen fanden Menschen dagegen ungefähr 1,8-mal so viele Gelege wie Hunde.
Dieses Muster entspricht den unterschiedlichen Suchweisen. Menschen verlassen sich auf ihre Augen und sind bei geraden Linien und bekannten Zielen wie Stämmen, Pfosten und Teilen der Rankanlagen im Vorteil. Hunde folgen hingegen Gerüchen, die sich verteilen und an bestimmten Stellen sammeln. Ihre Stärke zeigt sich dort, wo Rindenstrukturen, Laubstreu, Steine und Schatten die kleinen grauen Eiansammlungen vor Blicken verbergen.
Warum Spürhunde im Wald im Vorteil sind
Die Eier der Laternenzikade besitzen ein charakteristisches Geruchsprofil. Auf rauer Rinde oder auf Steinen bleiben Geruchsmoleküle haften und werden anschließend von leichten Brisen aufgewirbelt. Hundenasen können dieser schwachen Duftfahne über eine größere Fläche folgen, selbst wenn ein Gelege wie ein Fleck aus getrocknetem Schlamm aussieht. In gemischten Laubbaumbeständen und Hecken ist die Hundenase einer Taschenlampe und einer Prüfliste überlegen.
Auch Tempo und Ausdauer spielen eine Rolle. Hundeführerinnen und Hundeführer können ihre Tiere rasch Baumstämme am Boden, Zaunverläufe und Wegränder absuchen lassen und einen Fund anschließend mit den Augen überprüfen. In unübersichtlichem Gelände sinkt dadurch das Risiko, vorhandene Gelege zu übersehen. Die menschlichen Teams können sich zugleich auf besonders wichtige Stellen innerhalb der Anbauflächen konzentrieren.
Wie die Aufgabenverteilung die Ausbreitung bremst
Anbaubetriebe und Flächenverantwortliche können beide Stärken miteinander verbinden: Menschen suchen dort, wo übersichtliche Strukturen die Sichtkontrolle erleichtern. Hunde kommen zum Einsatz, wo die Geruchssuche das unübersichtliche Gelände ausgleicht. Wechselnde Teams halten die Genauigkeit hoch und die Ermüdung gering.
| Umgebung | Relativer Vorteil | Geeigneter Einsatz |
|---|---|---|
| Rebzeilen und Pfosten | Menschen finden etwa 1,8-mal so viel | Systematische Sichtkontrollen von Stämmen, Pfosten, Drähten und Geräten |
| Angrenzende Wälder und Hecken | Hunde finden etwa 3,4-mal so viel | Geruchssuche an Bäumen, Baumstämmen, Steinhaufen und Anhängern |
Rebzeilen
- Sichtkontrollen vom Spätherbst bis zum frühen Frühjahr einplanen, wenn das Laub fällt.
- Stämme, Pflöcke, Pfosten, Endkonstruktionen sowie Lagerplätze für Paletten und Behälter gezielt untersuchen.
- Fundstellen markieren, Gelege sicher in einen verschließbaren Beutel mit Alkohol abschaben und die Orte dokumentieren.
Waldstücke und Waldränder
- Ausgebildete Hunde entlang von Zäunen, an Götterbaum-Beständen, auf Wegen und bei Steinhaufen einsetzen.
- Kurze, konzentrierte Suchgänge mit häufigen Pausen durchführen, damit die Motivation hoch bleibt.
- Eine zweite Person die Eigelege unmittelbar vor Ort bestätigen und entfernen lassen.
Ausbildung, Ausrüstung und Grenzen
Spürhunde lernen mit echten Eigelegen und geruchlich darauf abgestimmten Trainingshilfen, wobei sie den Geruch mit einer eindeutigen Belohnung verknüpfen. Die Hundeführenden trainieren eine abschließende Anzeige – etwa Hinsetzen, Erstarren oder das Anzeigen mit der Nase –, damit das Tier die genaue Stelle weist, ohne die Eier zu berühren. Leinen, GPS-Halsbänder und Markierungsbänder sorgen für organisierte und wiederholbare Suchläufe.
Das Wetter beeinflusst die Suche weiterhin: Gleichmäßiger Wind kann den Geruch von seiner Quelle wegtragen, starker Regen schwächt ihn ab und tiefer Schnee begräbt die Eiansammlungen. Außerdem brauchen die Hunde Erholung, damit Müdigkeit nicht zu Fehlern führt. In übersichtlichen Bereichen mit guter Sicht sowie bei der sicheren Entfernung bleiben menschliche Kontrollpersonen unverzichtbar.
Auch die Biosicherheit ist wichtig. Fahrzeuge, Schuhe und Hundeausrüstung sollten zwischen den Einsatzorten kontrolliert und gereinigt werden. Wer mit echten Eiern trainiert, muss die örtlichen Vorschriften zur sicheren Aufbewahrung und Entsorgung einhalten, damit keine Eier versehentlich über Bezirks- oder Bundesstaatsgrenzen gelangen.
Was Anbaubetriebe und Nachbarn jetzt tun können
- Das Erscheinungsbild einprägen: graue oder hellbraune, schlammartige Flecken in Reihen, deren Oberfläche durch Witterung mitunter rissig wird.
- Besonders gefährdete Oberflächen kontrollieren: Götterbäume, Ahornbäume, Zaunpfosten, Schuppen, Anhänger, Steinmauern und Gartenmöbel.
- Gelege in einen wiederverschließbaren Beutel mit Reinigungsalkohol abschaben, diesen verschließen und im Hausmüll entsorgen.
- Fahrzeuge und Paletten prüfen, bevor ein Grundstück in einem Quarantänegebiet verlassen wird.
- Götterbäume nach Möglichkeit entfernen und Austriebe am Stumpf behandeln, damit sich der Bestand nicht weiter vergrößert.
- Neue Nachweise in einem Bezirk an die örtliche landwirtschaftliche Beratung oder an Agrarprogramme des Bundesstaats melden.
Was für Wein- und Ahornregionen auf dem Spiel steht
Besonders stark wirkt sich der Befall dort aus, wo Weinreben und Laubbäume dieselbe Landschaft prägen. Weingüter müssen die Qualität ihrer Früchte, das Erlebnis ihrer Gäste und den Zeitaufwand ihrer Beschäftigten miteinander vereinbaren. Ahornproduzenten sorgen sich um den zeitlichen Verlauf des Saftflusses und die Vitalität der Bäume. Wachsen die Quarantänezonen, werden auch die Versandvorschriften strenger: Für landwirtschaftliche Produkte und Geräte entstehen zusätzliche Verwaltungsarbeit und Kontrollpunkte.
Eine frühe Entdeckung senkt die Ausgaben für Spritzmittel und schützt Nützlinge. Eigelege im Jänner aufzuspüren, kostet deutlich weniger, als im September erwachsene Tiere zu bekämpfen. Diese Rechnung erklärt das wachsende Interesse an Hundeteams: Sie verlagern die Bekämpfung in den Winter, wenn eine einzige gut getimte Suche Tausende schlüpfende Jungtiere verhindern kann.
Die Beseitigung eines einzigen Eigeleges kann Dutzende Nymphen verhindern, und jede Saison ohne weitere Ausbreitung hält die Bilanz eines Weinguts stabiler.
Was als Nächstes zu beobachten ist
Die Forschung will Suchmuster weiter verbessern, zusätzliche Hunderassen testen und die Erkennungsleistung auf gemischt genutzten Grundstücken mit Scheunen, Holzstapeln und Gerätehöfen messen. Anbaubetriebe wünschen sich praktische Handlungsanleitungen: Wie lange soll pro Hektar gesucht werden, wann lassen sich Hunde mit Drohnen oder Wärmebildkameras kombinieren und wie können Beschäftigte lernen, bei Routinearbeiten Anzeichen eines Befalls zu erkennen?
Während Klima und Handel die Risiken durch invasive Arten verändern, ergänzen Spürhunde die Suche um ein flexibles Werkzeug. In übersichtlichen Rebzeilen werden sie menschliche Kontrollen nicht ersetzen, doch sie können schwer einsehbare Winkel erschließen, in denen der nächste Befall wartet.






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