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Wasser mit Geschmack: Was die Tests von „60 Millions de consommateurs“ wirklich zeigen

Hand greift Karaffe mit Wasser, Zitrone, Orange, Beeren und Minze auf Holztisch neben Getränkeflaschen.
In diesem Artikel
  1. Was steckt wirklich in Wasser mit Geschmack aus der Flasche?
  2. Was die Tests von „60 Millions de consommateurs“ ergaben
  3. Wasser mit Geschmack besser auswählen – und die Falle der „gesunden Limonade“ meiden
  4. „Gesunde“ Getränke in einer Welt verarbeiteter Produkte neu betrachten

Im Supermarktgang ist es beinahe still. Nur das Summen der Kühlgeräte und das leise Klackern der Einkaufswagenräder sind zu hören.

Vor dem Wasserregal steht eine junge Frau wie angewurzelt. Ihr Blick wandert zwischen „Zitrone-Limette ohne Zucker“ und „Pfirsich-Hibiskus mit natürlichen Aromen“ hin und her. Ihre Hand zögert zwischen einer schlichten Glasflasche und einer bunten Plastikflasche, auf der die Früchte fast schon zu glänzend wirken. Sie dreht die Flasche mit Geschmack um, überfliegt die Zutaten, runzelt kurz die Stirn und legt sie dann mit einem Schulterzucken in den Einkaufswagen. Es ist doch nur Wasser mit ein wenig Geschmack, oder?

Diesen Moment kennen viele: Einfaches Wasser scheint nicht immer genug zu sein. Bei der Arbeit, im Fitnessstudio oder abends auf dem Sofa lockt das Versprechen von Geschmack ohne schlechtes Gewissen. Keine Limonade, kein offensichtlicher Zuckerschub, sondern ein unterhaltsames Getränk, das noch dazu gesund aussieht. Die Marken wissen genau, wie sie diesen Wunsch ansprechen. Sie werben mit „leichten Aromen“, „natürlichen Essenzen“ und „erfrischenden Früchten“. Doch hinter den Etiketten zeichnet sich laut den Fachleuten von „60 Millions de consommateurs“ ein deutlich weniger einfaches Bild ab.

Was steckt wirklich in Wasser mit Geschmack aus der Flasche?

Auf den ersten Blick wirken abgefüllte Wässer mit Geschmack fast harmlos: eine durchsichtige Flüssigkeit, kaum Kalorien und eine Verpackung, die Wohlbefinden und Ausgewogenheit verspricht. Nach dem Aufdrehen des Verschlusses steigt sofort ein Hauch von Zitrone, Himbeere oder Minze auf – wie ein kleiner Wellnessmoment aus der Plastikflasche. Keine klebrigen Finger, keine Kohlensäure, die einem ins Gesicht spritzt, sondern ein sauberes, kontrolliertes Getränk. Es erscheint wie die erwachsene, vernünftige Verwandte der Limonade.

Das französische Verbrauchermagazin „60 Millions de consommateurs“ wollte hinter diese ruhige, klare Fassade blicken. Seine Tests zeigen, dass viele dieser Getränke eben nicht bloß „Wasser mit einer Fruchtscheibe darin“ sind. Es handelt sich um industriell hergestellte Rezepturen mit Aromen, Säuerungsmitteln, Süßungsmitteln und mitunter Rückständen aus dem Kunststoff selbst. Die Früchte auf dem Etikett? Häufig eher Werbung als Wirklichkeit. Man trinkt kein Quellwasser mit frisch hineingepresster Zitrone, sondern ein nach Rezeptur hergestelltes Getränk.

Entscheidend ist dabei das Wort „verarbeitet“. Nach europäischen Vorschriften muss reines natürliches Mineralwasser aus einer unterirdischen Quelle stammen und ohne eine Behandlung abgefüllt werden, die seine Zusammensetzung verändert. Sobald Aromen, Süßungsmittel oder Vitamine zugesetzt werden, fällt das Produkt in eine andere Kategorie. Wasser mit Geschmack gilt als Erfrischungsgetränk, selbst wenn auf der Flasche weiterhin das Wort „Wasser“ im Mittelpunkt steht. „60 Millions de consommateurs“ betont diesen Widerspruch: Was wie ein schlichtes Getränk zum Durstlöschen aussieht, wird rechtlich als verarbeitetes Getränk behandelt. Gerade diese Lücke zwischen Aufmachung und Wirklichkeit schafft Verwirrung.

Was die Tests von „60 Millions de consommateurs“ ergaben

Als das Team des Magazins die Flaschen im Labor untersuchte, erwies sich der äußere Eindruck als trügerisch. Blasse Farben, dezente Etiketten und Angaben wie „leicht aromatisiert“ und „ohne Zucker“ ließen viele Produkte auf dem Papier so unbedenklich erscheinen, dass man sie einem Kind gerne geben würde. Die Analyse der Flüssigkeiten ergab jedoch ein anderes Bild: Verbindungen, die mit Kunststoffverpackungen in Zusammenhang stehen, synthetische Aromen und eine lange Liste von Zusatzstoffen – und das bei etwas, das eigentlich so einfach wie Wasser sein soll.

Ein Fall fiel im Bericht besonders auf. Ein Wasser mit Zitrusgeschmack, das als frisches Alltagsgetränk verkauft wurde, enthielt Süßungsmittel und Säureregulatoren. Damit stand es einer Diätlimonade näher als einem Glas Wasser aus der Küchenleitung. Auf der Website der Marke waren sonnige Obstgärten und Grapefruitscheiben auf Eis zu sehen; der Laborbericht erinnerte dagegen eher an den Chemieunterricht. Dieser Gegensatz verunsicherte bei der Veröffentlichung viele Leserinnen und Leser: Sie hatten das Gefühl, einem Produkt vertraut zu haben, das mit Gesundheitssignalen spielte und zugleich auf standardisierte industrielle Kniffe setzte.

Technisch betrachtet ist das nachvollziehbar. Hersteller müssen viele Faktoren steuern, damit ein Wasser mit Geschmack monatelang im Regal stehen, Temperaturschwankungen überstehen und dennoch immer gleich schmecken kann. Reine Fruchtaufgüsse sind empfindlich. Deshalb verwenden Fabriken konzentrierte Aromen, Säuren zur Einstellung von Geschmack und pH-Wert, auf Haltbarkeit ausgelegte Rezepturen für Farbe und Spritzigkeit und manchmal Süßungsmittel, um Bitterkeit zu überdecken. Das Magazin erinnerte sein Publikum daran: Je mehr Schritte zwischen der Quelle und den Lippen liegen, desto weiter entfernt man sich von „bloßem Wasser“. Das bedeutet nicht, dass jede Flasche giftig ist. Es bedeutet vielmehr, dass das Produkt zur Welt der verarbeiteten Lebensmittel gehört – und nicht zum Märchen von der „reinen Flüssigkeitszufuhr“.

Wasser mit Geschmack besser auswählen – und die Falle der „gesunden Limonade“ meiden

Der konkreteste Schritt ist den Fachleuten von „60 Millions de consommateurs“ zufolge denkbar einfach: zuerst die Zutaten lesen und erst danach die Werbeaussagen. Steht dort lediglich „natürliches Mineralwasser“ oder „Quellwasser“, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass man tatsächlich Wasser vor sich hat. Je länger die Zutatenliste, desto eher handelt es sich um ein Erfrischungsgetränk im Gewand eines Wellnessprodukts. Begriffe wie „Aromen“, „Süßungsmittel“, „Säuerungsmittel“ oder „Farbstoffe“ sind Warnzeichen, wenn man etwas sucht, das Leitungswasser möglichst nahekommt.

Eine praktische Faustregel lautet: Weist die Nährwerttabelle mehr als Energiespuren aus oder finden sich Süßungsmittel wie Acesulfam K, Sucralose oder Aspartam, trinkt man ernährungsphysiologisch gesehen kein Wasser mehr. Es ist ein kalorienarmes Getränk. Das kann für einen selbst durchaus passen – man sollte es nur ehrlich benennen. Für den Alltag empfiehlt das Magazin eher, reines Wasser abwechselnd mit selbst aromatisiertem Wasser zu trinken: etwa mit einer Zitronenscheibe, einer zerdrückten Erdbeere oder ein paar Minzblättern. Das ist weniger haltbar, weniger perfekt und etwas unordentlicher. Dafür ist es echter.

Man kann es ruhig aussprechen: Wasser mit Geschmack ist oft die „Diätlimonade“, die man nicht so nennt.

Seien wir ehrlich: Niemand liest jeden Tag jedes Etikett. Wenn man durstig, spät dran und gestresst ist, wirkt das kühle Blau oder frische Grün einer Flasche überzeugender als eine kleine Textzeile auf der Rückseite. Die Verbrauchertests von „60 Millions de consommateurs“ setzen auf Verständnis statt Schuldgefühle. Es geht nicht darum, jedes Getränk zu verbannen, das Freude macht. Vermeiden sollte man vielmehr die unbemerkte Alltagsgewohnheit, bei der ein verarbeitetes Getränk unter einer dünnen Marketingschicht nach und nach das eigentliche Wassertrinken ersetzt.

Viele Leserinnen und Leser berichteten dem Magazin, sie fühlten sich von Begriffen wie „natürliche Aromen“ getäuscht. Die Formulierung lässt an eine Orange denken, die direkt in die Flasche gepresst wurde. Tatsächlich können solche Aromen aber durch komplexe industrielle Verfahren aus natürlichen Ausgangsstoffen entstehen. Das ist rechtlich weiterhin zulässig. Das Problem liegt nicht in der Gesetzmäßigkeit, sondern in der Wahrnehmung: Wer glaubt, eine besonders gesunde Wahl zu treffen, und tatsächlich ein Getränk aus derselben Welt wie Limonade trinkt, ist leicht frustriert. Ein wenig Wissen kann diesen Frust verringern. Man entscheidet selbst, statt sich lenken zu lassen.

Eine vom Magazin befragte Ernährungsfachkraft brachte es mit einem unverblümten Satz auf den Punkt:

„Wenn du eine Liste von Zusatzstoffen brauchst, damit dein Wasser attraktiv wird, frag dich, ob das Problem das Wasser ist oder deine Gewohnheiten.“

Das trifft einen empfindlichen Punkt. An einem heißen Nachmittag kann ein schlichtes Glas Wasser neben prickelnder Mango-Passionsfrucht oder „Waldfrüchten“ langweilig wirken. Die Tests von „60 Millions de consommateurs“ legen dennoch nahe, dass sich Geschmack zurückholen lässt, ohne alles der Industrie zu überlassen. Zu Hause genügen ein Krug, ein paar Fruchtscheiben und etwas Geduld im Kühlschrank, um ein Getränk ohne E-Nummern zuzubereiten.

  • Bevorzuge reines Quell- oder Mineralwasser ohne zugesetzte Aromen und Süßungsmittel.
  • Wenn du Geschmack magst, aromatisiere dein Wasser selbst mit Früchten, Kräutern oder Gurke.
  • Genieße industriell hergestelltes Wasser mit Geschmack gelegentlich, statt es ständig zu trinken.
  • Zeige Kindern, dass „Wasser“ nicht immer in einer Plastikflasche mit Fruchtbildern daherkommt.
  • Nutze Etiketten als Hinweise, aber nicht als vollständige Darstellung.

„Gesunde“ Getränke in einer Welt verarbeiteter Produkte neu betrachten

Wer abgefülltes Wasser mit Geschmack als verarbeitetes Getränk einordnet, verändert seinen Blick ein wenig. Das Supermarktregal erscheint dann nicht mehr als Skala von „schlechter Limonade“ bis zu „gutem Wasser“, sondern als Spektrum industrieller Getränke, von den süßesten bis zu den am wenigsten süßen. Reines Wasser steht etwas abseits, beinahe still. Die Tests und Warnungen von „60 Millions de consommateurs“ rufen keine Katastrophe aus. Sie weisen leise auf Abstufungen hin – in einer Welt, die einfache Etiketten wie „gesund“ oder „Junkfood“ liebt.

Auch gesellschaftlich erzählen Wässer mit Geschmack etwas Interessantes über unsere Zeit. Wir wünschen uns Genuss ohne schlechtes Gewissen, Geschmack ohne Zucker und Freude ohne Folgen. Die Industrie antwortet mit genau auf diese Wünsche zugeschnittenen Produkten: ohne Zucker, aber süß; klar, aber aromatisiert; als natürlich beworben, obwohl sie stark verarbeitet sind. Darin spiegeln sich unsere Widersprüche. Wer diese Laborergebnisse teilt, will weniger die Flaschen anklagen als vielmehr fragen, wonach wir wirklich suchen, wenn wir sie in den Einkaufswagen legen. Entspannung? Gesellschaftliche Vorstellungen? Das beruhigende Gefühl, eine „gute“ Entscheidung zu treffen?

Wenn du das nächste Mal eine solche Flasche öffnest, achtest du vielleicht genauer auf den Duft, der dir entgegenkommt. Erinnert er an Obst, das du dir auf dem Küchenbrett vorstellen kannst, oder an ein überperfektes Aroma, das fast zu sauber wirkt? Schon diese kleine Frage ist ein Gewinn an Bewusstsein. Du kannst das Getränk weiterhin trinken, genießen und sogar lieben. Du wirst nur nicht mehr so tun, als wäre es dasselbe wie das Glas Wasser aus der Leitung. Und diese kleine Klarheit verändert ganz leise dein Verhältnis zu jedem Schluck.

Kernpunkt Einzelheit Nutzen für Leserinnen und Leser
Wasser mit Geschmack ist verarbeitet Zugesetzte Aromen, Süßungsmittel und Säuerungsmittel machen es zum Erfrischungsgetränk. Hilft dabei, es nicht mehr mit reinem Wasser zu verwechseln.
Etiketten können täuschen Begriffe wie „natürliche Aromen“ und Fruchtbilder verdecken eine stark industriell geprägte Rezeptur. Gibt Hilfsmittel an die Hand, um Werbeaussagen zu entschlüsseln.
Einfache Gewohnheiten schützen Kurze Zutatenlisten, selbst gemachte Aufgüsse und Wasser mit Geschmack in Maßen. Bietet konkrete Schritte ohne Schuldgefühle oder Extreme.

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Katharina Leitner

Katharina Leitner ist Expertin für österreichische Hotellerie und touristische Gastfreundschaft. Sie interessiert sich für die Geschichte des Hotel Aldershoff, sein gastronomisches Angebot und Ausflugsmöglichkeiten in der Umgebung.

Häufig gestellte Fragen

Ist abgefülltes Wasser mit Geschmack genauso gesund wie reines Wasser?

Nicht wirklich. Es versorgt den Körper zwar mit Flüssigkeit, doch durch zugesetzte Aromen, Süßungsmittel und Zusatzstoffe wird es zu einem verarbeiteten Getränk, das Erfrischungsgetränken nähersteht als reinem Wasser.

Enthält Wasser mit Geschmack immer Süßungsmittel?

Nein. Manche Produkte enthalten Zucker, andere künstliche oder intensive Süßungsmittel, einige wenige sind ungesüßt. Gewissheit geben nur die Zutatenliste und die Nährwerttabelle.

Was hob „60 Millions de consommateurs“ bei diesen Produkten hervor?

Das Magazin zeigte, dass viele Wässer mit Geschmack Zusatzstoffe, mögliche verpackungsbedingte Rückstände und irreführende Werbung aufweisen, die sie als einfaches Wasser darstellt.

Sind „natürliche Aromen“ dasselbe wie echte Früchte?

Nicht unbedingt. Sie können aus natürlichen Quellen stammen, werden aber häufig in industriellen Verfahren hergestellt und bedeuten nicht, dass sich echte Früchte in der Flasche befinden.

Was ist die beste Alternative, wenn mir reines Wasser langweilig erscheint?

Aromatisiere Leitungswasser oder Wasser aus der Flasche zu Hause mit Fruchtscheiben, Kräutern oder Gurke. So erhältst du Geschmack, fast keine Verarbeitung und volle Kontrolle über dein Getränk.

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